Interview mit Matthias Baur

Heute geht es weiter in unserer Interviewreihe - Matthias Baur

Duner Bikel: Hey Matthias, vielen Dank im Voraus, dass du dir die Zeit nimmst für ein Interview mit uns. Vorab wäre die erste Frage: Wie geht es dir momentan? Und wie hast du Zeit des Lock-Downs erlebt?

Matthias: Hallo Duner Bikel Team. Mir geht es gut, vielen Dank. Es war für mich schon eine sehr merkwürdige Zeit, wie für die meisten von uns. Bei uns in Weil am Rhein kam sehr speziell noch dazu, dass es vor der Grenzschließung zu extremen Hamstereinkäufen durch unsere beiden Nachbarländer gekommen ist und fast jeder Einkaufsladen somit ausverkauft war. Ich bin seit mittlerweile seit über 3 Monaten im Homeoffice und hoffe, dass die Corona-Zeit und -Krise nicht mehr allzu lange anhält.

Duner Bikel: Hinter dir liegt eine bisher großartige Handballkarriere: Welche Stationen hast Du durchlaufen? Und welche Position hast du gespielt?

Matthias: Ich habe meine Handballkarriere beim ESV Weil am Rhein in den Minis begonnen. Zu meiner Jugendzeit habe ich beim ESV Weil im Tor und Feld gespielt. Im Feld habe ich meistens Rückraum-links oder am Kreis gespielt. In der C-Jugend habe ich noch in der Südbadenliga gegen Jens Schöngarth auf dem Feld gespielt, bevor ich dann zur SG gekommen bin. Danach habe ich nicht mehr auf dem Feld gespielt, außer es war notwendig als Torwart mal in den Angriff mit zu gehen. Von der SG bin ich dann zur HG Oftersheim/Schwetzingen (2. Bundesliga) gewechselt und hatte gleichzeitig ein Doppelspielrecht bei den Rhein-Neckar-Löwen für ein Jahr. Ich habe mir danach vorgenommen gehabt, meine berufliche Ausbildung voranzutreiben und weiterhin Leistungssport zu machen, auf gutem Niveau, und bin daraufhin in die Schweiz zu Pfadi Winterthur (Nationalliga A) gewechselt. Bei einem Sponsor konnte ich dann meine Ausbildung machen und habe dann drei Jahre in Winterthur verbracht und konnte mit der Mannschaft den Schweizerpokal gewinnen. Von dort aus bin ich nach Frankreich zu Istres Ouest Provence HB (2. Liga) gewechselt, bei denen ich dann auch meine Leistungssport-Karriere beendet habe. Ich kam nach einer Saison in Frankreich wieder zum ESV Weil zurück und war dort noch weitere 4 Jahre sportlich aktiv.

Duner Bikel: Wie kam es zu deinem Engagement bei der SG? Wie lange hast du bei uns gespielt und welche Mannschaften hast du durchlaufen?

Matthias: Als ich vom C- Jugendalter in die B- Jugend gekommen bin, ist beim ESV Weil Dennis Krause, der ein Jahr älter war als ich, nach Magdeburg ins Internat gewechselt. Ich wollte auch leistungsorientiert Handball spielen und wollte daher den Verein wechseln. So kam es, dass ich erst bei einem Probetraining bei der HSG Freiburg war. Ralf Schöngarth hat das damals mitbekommen und daraufhin meinen Eltern angerufen. Ich habe mir dann auch das Training bei der SG angeschaut, welches mir auch super gefallen hatte. Es waren damals sehr gute Spieler in der Mannschaft, mit viel Potential. Ich glaube jedoch, dass ich ohne Ralf und Traute Schöngarth wahrscheinlich nicht zur SG gewechselt hätte, weil beide mich immer sehr unterstützt haben, in dem sie mich vom Bahnhof geholt und wieder hingebracht haben. Zudem konnte ich viele Jahre vom sehr guten Torwarttraining von Detlef Frers profitieren. Bei der SG habe ich in der B- und A- Jugend gespielt. In meinem ersten A- Jugendjahr habe ich in der 2. Mannschaft in der Landesliga gespielt. In der 1. Mannschaft habe ich 2 Jahre in der Regionalliga gespielt und nach einer Krankheitspause durfte ich einmal mit den alten Hasen in der 3. Herren spielen. Somit habe ich 5 schöne Jahre bei der SG verbracht.

Duner BIkel: An welche sportlichen Höhepunkte in unserem Verein erinnerst du dich gerne zurück? Welche schmerzlichen Niederlagen sind noch in deinem Gedächtnis?

Matthias: Es war damals immer ein Fest, wenn Heimspiele waren, denn es waren immer hitzige Spiele auf die ich mich gefreut habe. Ein sportlicher Höhepunkt war der Sieg im SHV-Pokal. Eine sehr schmerzliche Niederlage war hingegen, das SHV-Pokal Halbfinale in Willstätt gegen die HGW Hofweier auszuscheiden und sich somit nicht für den DHB-Pokal zu qualifizieren.

Duner Bikel: Was würdest du sagen waren deine größten Erfolge als Handballer?

Matthias: Es gibt da sicherlich einige Erfolge die ich hatte und von denen ich erzählen kann. Zu den zwei größten zählen für mich der Pokalsieg mit Pfadi Winterthur und damit die Qualifikation zum Europacup und natürlich der Sieg der U21 Weltmeisterschaft in Cairo/Ägypten. Das sind so Erlebnisse die für mich unvergesslich sind und immer in Erinnerung bleiben werden.

Duner Bikel: Welche Erfahrungen hast du beim Handball-Spielen im Ausland gesammelt? Du warst in der Schweiz und in Frankreich!

Matthias: Ich musste feststellen, dass alles doch sehr unterschiedlich ist. Als ich in der Schweiz Handball gespielt habe, hatten wir in der Mannschaft immer 1 bis 2 Profis. Die restliche Mannschaft ist einem Beruf oder Studium nachgegangen. Zwar waren das nie 100 % Stellen, aber es war für alle schon ein großer Aufwand, denn wir haben schließlich auch 6- bis 7-mal in der Woche trainiert. Leider ist der Zuschauerandrang in der Schweiz nicht sehr hoch, obwohl das gespielte Niveau ein gutes ist. Die Spieler nehmen auch vieles noch selbst in die Hand. Bei vielen Auswärtsspielen fährt man auch mit dem eigenen Auto. In Frankreich dagegen war alles schon ein wenig anders. Zu den Auswärtsspielen sind wir regelmäßig geflogen oder mit dem Zug gefahren. Die Strecken sind auch deutlich länger als in der Schweiz, aber mit einem Bus waren wir eigentlich nie unterwegs. Die Mannschaft bestand bei uns auch nur aus Profis und wir trainierten 8- bis 10-mal die Woche. Da man mit deutsch und englisch in Frankreich auch nicht so gut durchkommt, musste ich einen Französisch Kurs besuchen. In der Provence sind die Menschen sehr nett und hilfsbereit und unterstützen einen, wenn man auch mit schlechtem französisch um die Ecke kommt. Pünktlichkeit ist dort ein sehr dehnbarer Begriff, welcher sich zwischen der abgemachten Uhrzeit um 30 und 45 Minuten nach hinten schieben kann. Dies musste ich auch das ein oder andere Mal persönlich feststellen.

Duner Bikel: Du hast auch Länderspiele für die Jugend und Junioren-Nationalmannschaft bestritten, an welche Erlebnisse erinnerst du dich, wenn du an diese Zeit zurückdenkst?

Matthias: Da gibt es einige. Neben dem Gewinn des U21 Weltmeistertitels, erinnere ich mich gerne an das Spiel in der damaligen Köln-Arena zurück. Hier haben wir gegen Dänemark gespielt. Am Anfang lief es nicht wirklich gut bei uns. Die Dänen haben immer ihren Torwart rausgenommen und mit dem 7. Feldspieler gespielt. In der Abwehr hatten wir zuerst keine Chance und sie haben uns komplett auseinandergenommen. Wir mussten daraufhin die Abwehr umstellen und nun lief alles viel besser und wir konnten auch die Angriffe verteidigen. Ich kam dann auch immer mehr ins Spiel und konnte dann sogar mein erstes und einziges Länderspieltor als Torwart, im Anschluss nach einer Parade, erzielen.

Duner Bikel: Spielst du noch aktiv Handball? Was sind ansonsten deine sportlichen Aktivitäten? Man hat dich ja in Teningen schon als Schiedsrichter gesichtet!?

Matthias: Aktiv bin ich eigentlich nicht mehr als Spieler. Ich gehe seit einigen Jahren vermehrt in das Fitnessstudio und versuche mich mit Kraftsport fit zu halten. Gut, dass du das erwähnst. Ich bin nun im dritten Jahr als Schiedsrichter tätig. Ich habe gedacht, dass man auch ruhig als ehemaliger aktiver Spieler etwas zurückgeben kann. Jeder beschwert sich immer über die Schiedsrichter, aber selbst hinstehen und pfeifen können sie auch nicht. Es ist definitiv etwas anderes als Schiedsrichter auf dem Feld zu stehen, als zu spielen und man muss immer wach sein und das Spiel aktiv beobachten. Ich dachte auch nie, dass es so anstrengend sein kann. Es ist aber, wie das Spielen als Torwart, sehr kopflastig.

Duner Bikel: Viele Leute sagen, man muss ziemlich verrückt sein, wenn man sich freiwillig in ein Handballtor stellt, was aber macht für dich den Reiz aus? Wie siehst du die Entwicklung des modernen Torwartspiels?

Matthias: Verrückt ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber es muss einem klar sein, dass es im Tor sehr weh machen kann. Für mich war immer der Reiz, dass ich der Rückhalt der Mannschaft sein kann. Somit hat man als Torwart immer eine hohe Verantwortung und hat riesigen Einfluss auf das gesamte Spiel und auch den Spielverlauf. Es gibt auch nichts Schöneres, wenn sich Mannschaften die Zähne ausbeißen, wenn man ihnen als Torwart wieder einen Freiwurf abnimmt. Das Torwartspiel hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Früher hat man sich immer den unsportlichsten/untalentiertesten Spieler ausgesucht und anschließend ins Tor gestellt. Dabei werden einem Torwart sehr viele Fähigkeiten abverlangt. Neben den geistigen Fähigkeiten, wie Konzentration, Wille und Einsatz, muss der Torwart auch viele körperliche Fähigkeiten mitbringen. Schnelligkeit und eine hohe Beweglichkeit ist für einen Torwart unerlässlich. Zudem braucht er eine gute Ausdauer, um die geistigen Fähigkeiten über die gesamte Spieldauer aufrecht zu erhalten. Torhüter verbringen auch viel Zeit mit Analysen und Recherchen über die Mannschaften, um Automatismen zu erkennen. Es ist nicht einfach Torwart zu sein und dies alles zu berücksichtigen.

Duner Bikel: Was machst du derzeit beruflich? Womit beschäftigst du dich gerne in deiner Freizeit?

Matthias: Ich arbeite derzeit als Kundendisponent in der Automobilzulieferbranche und absolviere parallel noch ein Fernstudium. Wenn ich dann Freizeit habe, verbringe ich diese gerne mit meiner Frau, spiele Brettspiele oder mach etwas im Garten.

Duner Bikel: Hast du noch Kontakt zu ehemaligen SG-Spielern wie z.B. Jens Schöngarth oder Felix Danner?

Matthias: Zu Jens und Felix habe ich nicht mehr viel Kontakt. Die meisten ehemaligen SG-Spieler treffe ich immer irgendwie in anderen Sporthallen, wenn ich als Schiedsrichter unterwegs bin. Gefühlt gibt es kein Wochenende, wenn ich im Einsatz bin, an dem ich keinen ehemaligen Mitstreiter sehe.

Duner Bikel: Welche Tipps kannst du allen Kindern und Jugendlichen, damit sie Ihre gesteckten Ziele im Handballsport erreichen können?

Matthias: Das Beste ist schon einmal die Ziele hochstecken, am besten sehr hoch. Es ist meiner Meinung nach auch nicht notwendig auf eine Sportschule oder Internat zu wechseln, da man es auch so schaffen kann. Es ist jedoch notwendig viel zu machen und vor allem mehr zu machen als die anderen. Das heißt, auch mal zu Hause etwas machen für die Koordination oder in den Wald gehen und joggen. Vielleicht versucht man es mit einem Trainingspartner, der die gleichen Ziele hat oder sucht sich einen Unterstützer (Eltern, Trainer) um sich zu pushen. Es ist auch möglich, dass man im Sport mal Rückschläge erleidet, das kommt immer mal vor im Sport und auch im weiteren Leben. Damit muss man einfach umgehen lernen. Es ist dann auch oft so, dass man wieder eine Chance bekommt und erneut angreifen kann.

Duner Bikel: Deine Abschlussworte an die SG-Familie?

Matthias: Ich möchte mich herzlich bei der SG-Familie bedanken für die schöne Zeit, die ich haben durfte. Es war eine schöne Zeit in der ich sehr viel über Handball gelernt habe. Ich habe auch sehr viel nette Menschen kennengelernt, bei denen ich mich immer freue, wenn ich ihnen heute in der Halle begegne.

Duner Bikel: Danke für das Interview. Wir freuen uns immer, wenn wir dich bei uns in Teningen in der Sporthalle begrüßen dürfen. In welcher Funktion auch immer

Matthias: Gern geschehen. Es war auch schön mal wieder in Erinnerungen zu schwelgen! Und wir sehen uns bestimmt wieder – bis bald.

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