Interview mit Martina (Tinde) Gross-Lichawski

Heute starten wir mit der ersten ehemaligen Damenspielerin in unserer Interviewreihe

Duner Bikel: Liebe Martina, wir freuen uns sehr, dass wir mit dir, einem SG-Urgestein (oder sagt man Urgesteinin :-) ), ein Interview machen dürfen. Wie geht es dir? Wie verbringst du die Zeit während Corona?

Tinde: Mir und meiner Familie geht es gut! Seit Mitte März arbeite ich von zuhause aus (man nennt das glaube ich „Homeoffice“); telefoniere und skype mit den Menschen, die ich momentan nicht persönlich treffen kann und verbringe bei schönem Wetter viel Zeit im Garten!

Duner Bikel: Wann hast du mit dem Handball spielen angefangen und wie lange hast du im Jugendbereich und im „Aktiven Bereich“ Handball gespielt?

Tinde: Ich bin sozusagen „Gründungsmitglied“ der Damenmannschaft im Jahr 1975 (ich war 13 Jahre alt).  Damals gab es noch keine Mädchenmannschaften bei der SG und im damaligen Vorstand wurden heiße Diskussionen über die Gründung einer Damenmannschaft geführt...Stichwort : Warum müssen Frauen Handball spielen?

Ich habe von 1975 bis 1991 in der 1. Damenmannschaft gespielt und dann nochmals nach 2 Babypausen von 1999 bis 2007 in der 2. Damenmannschaft.

Duner Bikel: An welche sportlichen Höhenpunkte kannst du dich erinnern? Auf welcher Position hast Du bei den SG-Damen in der Regel gespielt?

Tinde: In der Saison 1985/86 haben wir den Aufstieg in die damalige Südbadische Oberliga geschafft, mehrere Landesligameisterschaften erreicht und mein persönlicher Höhepunkt war die Nominierung in die Südbadische Auswahl im Jahr 1988.

Während meiner ganzen handballerischen Laufzeit war ich mit Leib und Seele Kreisläuferin!

In der SG kennt man mich übrigens unter meinem Spitznamen « Tinde »

Duner Bikel: Welches Team war Euer größter Rivale? Auf welchen Gegner hast du dich besonders gefreut?

Tinde: Die Derbys mit Waldkirch, Kenzingen und Herbolzheim sind mir in ganz besonderer Erinnerung geblieben: da wurde sich nichts geschenkt!

Besonders gefreut habe ich mich immer auf die alljährlichen, berühmt berüchtigten Pfingstturniere, die jedes Jahr an einem anderen Austragungsort stattfanden (Holland, Schweiz, Frankreich, Cuxhaven.....)

Duner Bikel: Du hattest verschiedene Trainer? Kannst du dich noch an alle erinnern? Und was hat den/die jeweilige(n)Trainer(in) ausgezeichnet?

Tinde: Ich kann mich noch sehr gut an jeden einzelnen Trainer erinnern und jeder war etwas Besonderes! Vom ersten Trainer, Wolfgang Ehrler, der uns die Grundkenntnisse des Handballspiels vermittelte, über Günther Sillmann (Kondition u. Fitness waren seine Leitmotive); Willi Bühler, der uns die technischen Feinheiten versucht hat beizubringen, Pit Bührer, der Allrounder und Väterliche (einmal als Trainer in der 1. Damenmannschaft und dann nochmals 7 Jahre lang in der 2.) und zum Abschluss Ahmed el-Ghussein „Guzzo“, der Taktiker. Und ganz wichtig: Alle haben gerne mit uns gesungen. So kam auch die musikalische Seite nicht zu kurz!

Duner Bikel: Was sind deine Erinnerungen an die SG abseits des Sports und des Spielfelds?

Tinde: Ganz einfach: aus Mitspielerinnen sind Freunde für ‘s Leben geworden!

Duner Bikel: Hast du auch mal woanders gespielt als bei der SG? Und wenn ja bei welchen Vereinen?

Tinde: Die SG war mein einziger Verein. Ich habe mich da so wohlgefühlt, dass es mich nie irgendwo anders hingezogen hat! Der sportliche Erfolg und das ganze „Drumherum“ waren einfach perfekt.

Duner Bikel: Was macht dich neben dem Handball außerdem aus? Welchen Beruf übst du aus? Welchen Hobbies gehst du nach?

Tinde: Seit 1991 hat es mich aus privaten Gründen ins Elsass verschlagen, aber ich arbeite nach wie vor in Emmendingen auf dem Rathaus. Und so pendle ich seit fast 30 Jahren zwischen Deutschland und Frankreich hin und her! Schon in der Schule habe ich mich sehr für Fremdsprachen interessiert und habe dort mein Interesse für die französische Sprache und Kultur entdeckt. Neben dem Sport habe ich noch im Mundinger Kirchenchor gesungen und Orgel gespielt. Musik ist nach wie vor sehr wichtig für mich und außerdem lese ich gerne und betätige mich viel im Garten. Ansonsten versuche ich, trotz der Distanz, die Kontakte zu meinen Freunden in Deutschland zu pflegen. Das ist sehr wertvoll und wichtig für mich!

Duner Bikel: Man sieht dich ja auch noch des öfteren in der Ludwig-Jahn-Halle ….Mit wem hast du noch Kontakt aus deiner aktiven Zeit beim Handball?

Tinde: Mit meinen früheren Mitspielerinnen verbindet mich immer noch sehr viel. Diese Freundschaft hat nie aufgehört und wenn man ein Buch darüber schreiben müsste, käme bestimmt ein mindestens 10 bändiges Werk dabei heraus...und die Geschichte ist noch nicht zu Ende! Wir planen schon eine Alters-WG

Duner Bikel: Wir wollen nach ein paar Spielzeiten ohne weibliche Jugend diese wiederbeleben. Warum denkst du, dass gerade Mädchen für diesen Sport geeignet sind? Was ist der Reiz des Handballsports?

Tinde: Handball ist so vielseitig: außer den rein sportlichen Aspekten vermittelt dieser Sport Gemeinschaftsgefühl, Respekt füreinander, Verantwortungsbewusstsein, Selbstwertgefühl etc.... Und einfach ganz viele tolle Erinnerungen!!!

Duner Bikel: Uns alle beschäftigt aktuell vor allem die Corona-Pandemie. Warum denkst du, dass der Handballsport auch nach dieser Zeit viele Menschen begeistern wird?

Tinde: Die Menschen werden nicht aufhören Sport zu treiben. Kinder bekommen die Leidenschaft von ihren Eltern, Freunden oder Lehrern vermittelt und wenn es Dich einmal gepackt hat, hört die Begeisterung für diesen Sport auch nicht so schnell auf!

Duner Bikel: Wenn du an alle Spiele denkst, die du in deiner Zeit als Jugendspielerin, aktive Spielerin oder als Zuschauerin erlebt hast. Gibt es ein Spiel, dass für dich rückblickend einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt? Und wenn ja, warum?

Tinde: Ich erinnere mich noch ganz gut als ich ein kleines Mädchen war und mein Vater mich zu den Handballspielen in die Ludwig-Jahn-Halle mitnahm...die Lokalderbys der SG gegen Meißenheim und Herbolzheim vor ca. 800 bis 1000 Zuschauern in den 70iger Jahren werde ich nie vergessen...die Stimmung war einfach unglaublich!

Duner Bikel: Was sind dein Abschlussworte? Was wünscht du der SG?

Tinde: Ein großes Dankeschön an diesen tollen Verein, der mir so viel gegeben hat! Weiterhin alles Gute, sportlichen Erfolg und, dass es immer Menschen geben wird, die sich für den Handballsport einsetzen und gemeinsam versuchen, den Verein - auch in schwierigen Zeiten- voran zu bringen! Schnepperli-Peng (als Antwort auf das Duner-Bikel!)

Duner Bikel: Vielen Dank Tinde für das Interview!

 

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