Interview mit Carola Kobbe (Rieß)

Heute wieder ein Interview mit einer ehemaligen Damenspielerin

Duner Bikel: Hallo Carola, wir freuen uns, dass wir mit Dir ein Interview machen dürfen für unsere Homepage www.sg-kt.de. Erste Frage: Wie geht es dir?

Carola: Danke, mir geht es gut. Habe aus dem Lockdown das Beste gemacht.

Duner Bikel: Du bist vielen jüngeren Fans eher kein Begriff mehr. Stell dich doch bitte kurz vor: Woher kommst du? Seit wann bist du bei der SG aktiv?

Carola: Mein Geburtsname ist Carola Rieß, ich komme aus Teningen, bin im Grünle aufgewachsen. Bestimmt kennen die jüngeren Fans, meine Brüder Benjamin und Markus. Ich bin 1991 aus Teningen weggezogen, seit 1997 wohne ich in Fallersleben. Ich glaube ich war 11 / 12 Jahre alt, als ich zur SG kam. (ich habe es mit Jahreszahlen nicht so :-)). Annette Meier hatte mich damals mit zum Training genommen, mit ihr habe ich auch bis in die Damen zusammen gespielt.

Duner Bikel: Welche Mannschaften hast du durchlaufen?

Carola: Ich habe in den C-Mädchen, damals von Christel Stelzer trainiert, angefangen. Dies war auch die jüngste Mädchenmannschaft, die die SG damals hatte. Von da an hatte ich alle Mannschaften durchlaufen (B-, A- Jugend, 2. Und 1. Damen)

Duner Bikel: Bist du dem Handball noch verbunden? Oder hast du andere sportliche Betätigungen gefunden?

Carola: Ich bin dem Handball nur noch eher passiv verbunden, manchmal juckt es doch noch in den Fingern, dann geh ich mit meiner Tochter zum Training J. Ich habe mit dem Handball spielen nach einem Kreuzbandriss aufgehört. War danach noch aktiv als Mini-Trainer, habe im Vorstand des VFB Fallersleben immer mal wieder einen Posten übernommen. Zur Zeit bin ich „Zuschauer“. In den vergangenen Jahren habe ich das deutsche Sportabzeichen absolviert. Ich gehe wöchentl. zum Walken, mache in einer Fitnessgruppe mit. Ich bin im Fitnessstudio angemeldet, fungiere da eher als Sponsor :-). In den Sommermonaten bilde ich Dackel zur Begleithundeprüfung aus. Aber so „wohl“ wie beim Handballsport habe ich mich nie wieder irgendwo gefühlt.

Duner Bikel: Zurück zur SG… Welche sportlichen Höhepunkte in deiner aktiven Zeit sind dir noch besonders gut in Erinnerung?

Carola: Unseren Aufstieg der 1. Damen in die Oberliga. Eigentlich hatten wir das gar nicht so wirklich auf dem Schirm. Am Spieltag des entscheidenden Spieles kam unser Trainer, Ahmed El Ghusein, in die Kabine zur Spielbesprechung. Er hing eine Tabelle auf und sagte, wenn wir das heute gewinnen und die anderen Mannschaften „für uns spielen“, dann können wir den Aufstieg schaffen. Es war so eine ganz andere Einstimmung auf ein Spiel als sonst, wir haben alles gegeben und den Aufstieg gemacht.

Duner Bikel: Wir wem pflegst du noch Kontakt aus Teningen und Umgebung?

Carola: In erster Linie natürlich zu meiner Familie, wenn ich zu Besuch bin und es ist gerade Spieltag, dann sehe ich mir die 1. Herren an oder ein Spiel meines Bruders Benjamin und freue mich über jeden Bekannte(n), den/die ich in der Halle treffe. Über Whatsapp oder Facebook halte ich auch Kontakt mit Klassenkameraden und einigen ehemaligen Mitspielerinnen.

Duner Bikel: Und abseits des Sports, an welche Begebenheiten erinnerst du dich noch sehr gerne zurück.

Carola: Da gibt es Einiges, aber abseits des Sports ist schwierig, irgendwie war alles mit Handball oder Sport verbunden, selbst in der Schule wurden Handballturniere ausgerichtet, unsere Sportlehrer waren sehr engagiert. Als ich noch in der Jugend bei Christel gespielt habe, sind wir ein paar Tage auf eine Freizeit gefahren.  Leider fällt mir die Hütte und der Ort nicht mehr ein. Und wir haben damals auch mit der Jugend in Heimbach am Faschingsumzug teilgenommen. Wir haben die Olympischen Spiele dargestellt. Ich habe das“ olympische Feuer“ getragen, ich war in ein weißes Shirt und kurze Hose gekleidet. Es war schweinekalt an diesem Tag. Ich denke auch gerne an die Gassenfeste und andere Partys zurück, aber dies hatte ja auch meist irgendwie mit Handball und der SG zu tun. ;-)

Duner Bikel: Es gab ja bis Mitte der 00er-Jahre in Teningen das große Handball-Turnier „zwischen Schwarzwald und Kaiserstuhl“ mit vielen Geschichten rund um den Handball. Die Damen-Abteilung war maßgeblich daran beteiligt am vor allem gesellschaftlichen Gelingen des Turniers. Was hat den Reiz dieses Turniers ausgemacht?

Carola: Zum einen, dass so viele Mannschaften von Jung bis Alt daran teilgenommen haben.  Einige sind schon am Mittwochabend angereist und erst sonntags wieder abgefahren.  Zum anderen trugen auch außerhalb der SG die anderen Vereine aus Teningen, die Bevölkerung unterstützend und helfend zum Gelingen des Turnieres bei. Von den anliegenden Landwirten bzw. Gartenbesitzern hinter den Sportplätzen wurden die Grundstücke zum Zelten zur Verfügung gestellt. Es gab abends Party bis weit nach Mitternacht im Zelt, Bewirtung rund um die Uhr. Wo gibt es sowas heute noch?

Viele Mannschaften kamen jedes Jahr wieder, aus Fremden wurden Freunde. Ich selbst habe immer noch einen bestehenden Kontakt aus dieser Zeit. Für mich waren diese Turniere immer was Besonderes, ich habe mich jedes Jahr darauf gefreut sogar regelrecht darauf „hin gefiebert“.  Es war eine großartige Organisationsleistung, viele helfende Hände.  Eine Tugend, die man leider heutzutage so nicht mehr antrifft.

Duner Bikel: Ein weiterer Höhepunkt war und ist jedes Jahr das legendäre Pfingtsturnier mit Mannschaften aus ganz Deutschland, welches auch bereits mehrfach in Teningen stattgefunden hat. Wie sieht deine sportliche Bilanz dabei aus und welche Orte in Deutschland hast du aufgrund des Turniers bereits kennenlernen dürfen?

Carola: Auch dieses Turnier war immer ein Highlight, zu unserer Zeit kamen aber nicht nur Mannschaften aus Deutschland, sondern auch aus Frankreich, Holland und der Schweiz. Ich war in Darmstadt, Cuxhaven, Bremen-Arsten, Waldkirch, Luzern (Übernachtung in eigens dafür gemieteten Wohnmobilen, Alternative wäre der Luftschutzbunker gewesen), Frankreich St. Ave (?), Akerslot nahe Amsterdam…  Die Aussage „Orte“ kennenlernen wäre übertrieben, ich habe meist ja nur die Halle und die Umgebung drum rum gesehen. Es gab auch Ausnahmen, z.B.  beim Turnier in Cuxhaven, wurde eine Schifffahrt bis kurz vor Helgoland gemacht. Die Siegerehrung fand an Bord statt. Oder die Fahrt ins Schongiland, weil die Schweizer am Pfingstsonntag nicht Handball spielen durften.

Auch letztes Jahr zum Pfingstturnier in Todtnau bin ich gereist und habe mich mit vielen „Alten“ wieder getroffen. Immer wieder schön, auch ohne oder gerade weil wir nicht mehr „spielen müssen“.

Es sind die Geschichten und Begebenheiten drum rum, die diese Turniere ausmachen, Sport war Nebensache. Natürlich haben wir auch den einen oder anderen Pokal mitgenommen.

Duner Bikel: Die SG plant ab September die Meldung einer D-weiblich-Jugendmannschaft und damit die Wieder-Belebung der weiblichen Jugend. Warum ist es für einen Verein wie die SG so wichtig, dass es auch eine funktionierende und erfolgreiche Damen-Abteilung gibt?

So ein Verein lebt von seinen Mitgliedern und je mehr Menschen, da mitmachen, je besser kann er sich darstellen und auch oberklassigen Handball bieten. Die SG ist ein reiner Handballverein, darum braucht dieser auch das Standbein der Frauen. Heutzutage wo die Kinder und Jugendlichen so viele Möglichkeiten haben, ist es wichtig für einen Verein sich attraktiv und vielfältig zu gestallten.

Es ist doch auch „verlorene Arbeit“, wenn man sich stark in der Kinderarbeit (SpoFunnis) macht und anschließend die zahlenden Mitglieder oder event. potenzielle Sponsoren an einen anderen Verein verliert, weil man selbst nichts bietet.

Duner Bikel: Und warum ist der Handballsport gerade auch für junge Mädchen eine attraktive Sportart?  Mannschaftssport ist wichtig für die Sozialkompetenz. Beim Handball kommt man auch schnell zum persönlichen Erfolg, da jede die Chance zum Torwurf hat. Es ist nicht so wichtig was für eine körperliche Konsistenz man mitbringt, es gibt für jede eine Position wo sie sich einbringen kann.

Duner Bikel: Wenn du alle Spiele die du bei der SG als Spielerin, Zuschauerin oder als Vorstandsmitglied miterlebt hast betrachtest: Welches Spiele sticht in deiner Erinnerung besonders heraus?

Da war ich noch Jugendliche, wie die 1. Herren in die Regionalliga unter Max de Bullach aufgestiegen sind. Die Halle war zu jener Zeit immer rappel voll, es war immer gute Stimmung und Party angesagt. Das schöne war auch, dass alle Alle kannten. Also von der Jugend bis zu den die 1. Herren, Fans und Vorstand…

Egal ob Jugend oder Damen, die Spiele gegen Emmendingen im Lokalderby waren auch immer besonders.

Duner Bikel: Noch ein Wort zur aktuellen Zeit…. Warum wir der Handballsport Corona und seine Begleiterscheinungen überleben? Was macht unsere Sportart interessant und attraktiv?

Carola: Ich denke, dass Mannschaftssport wichtig ist und auch Zusammenhalt gibt, dadurch dass beim Handball immer alle aufgestellten Spieler einer Mannschaft spielen könnten (was der Trainer daraus macht, ist was anderes) stärkt die Mannschaft und die Persönlichkeit egal ob Sieg oder Niederlage. Stärke ist wichtig in einer Krise und lässt jeden einzelnen da gut durch kommen, da man füreinander da ist, auch wenn das Training und die Spiele mal nicht stattfinden können, so wie zur Zeit wegen der Kontaktbeschränkung.

Duner Bikel: Deine Abschlussworte an die SG

Carola: In der SG werden die Heimspiele der Mannschaften an einem Wochenende, hintereinander gespielt. Das bedeutet, dass die Spieler sich unter einander kennen. Wie in einer großen Familie. Auch dass man nach dem Spiel die Möglichkeit hat, sich in der Halle bei Bier, Schorle oder Sprudel noch einzufinden. Das ist eher eine Seltenheit, bleibt dabei! Das habe ich bei meinem Umzug gen Norden am meisten beim Vereinssport vermisst. Ich wünsche dem Verein viel Erfolg für die Zukunft und auch gutes Gelingen beim Wiederaufbau des weiblichen Jugend und Aktivenbereiches.

Duner Bikel: Carola, vielen Dank für das Interview.

 

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