Interview mit Adalsteinn (Alli) Jonsson

Heute im Interview unser ehemaliger isländischer Spieler Alli Johnsson

Duner Bikel: Hallo Alli, es ist uns eine Ehre und ein Vergnügen, dich interviewen zu dürfen. Erste Frage: Wie geht es dir unter den aktuellen Umständen?

Alli: Mir gehts jetzt gut. Ich bin der einzige in meiner Family der Covit bekommen hat und meine Regierung nennt mich T 1700 (Die 1700te Person in Ísland, die den Virus bekommen hat).

Duner Bikel: Vielen unserer älteren Fans bist du noch in guter Erinnerung als Spieler der SG. Die jüngeren Zuschauer wissen meist nur noch, dass da „mal so ein Isländer“ bei uns gespielt hat. Stell dich doch bitte gerade unseren jüngeren Fans kurz vor. Woher kommst du? Wann hast du bei uns gespielt? Auf welchen Spielpositionen hast du geglänzt?

Alli: Wir haben ein Trainingslager in Schutterwald 1986 gemacht. Unsere Trainer Geir (Vater von Logi Geirsson von Lemgo damals) hat uns trainiert und er war ein Freund von Armin Emrich. Während dieses Aufenthalts haben wir ein Trainingsspiel gegen die SG gemacht und natürlich gewonnen. Einige Monate später habe ich ein Angebot von Schutterwald bekommen und habe 1988 bis 1989 dort gespielt. In meinem ersten Spiel habe ich mich schwer verletzt (Kreuzband abgerissen). Im Frühjahr 1989 wollte Schutterwald mich nicht mehr haben, aber durch Armin habe ich Kontakt mit der SG gehabt und war dann bei euch drei Jahre.

Ich bin Linkshänder und habe auf der Rückraum-Recht-Position gespielt.

Duner Bikel: Was waren deine größten sportlichen Momente bei der SG an die du dich noch erinnern kannst? Gab es auch bittere Niederlagen – Als Spieler und später auch als Trainer?

Alli: Wir haben so viele Spiele gemacht und die laufen in der Erinnerung alle zusammen. Aber es war klar: Wenn wir verloren haben, hatte der „Ehrla“ Wolfgang immer starke Meinungen.

Duner Bikel: Du kommst aus Island! Wie alt warst du, als Du mit dem Handball-Spielen angefangen hast und wie hieß dein 1. Handballverein?

Alli: Ich habe zuerst mit 6 Jahren mit Fußball angefangen, aber mit 12 bin ich zum Handball gekommen. Ich habe immer im Ísland in Breidablk gespielt in unserer ersten Liga.

Duner Bikel: Wie kam es zu deinem Umzug nach Deutschland? Hast du auch für andere deutsche Vereine außer die SG gespielt?

Alli: Ja wie ich gesagt habe ich in Schutterwald gespielt.

Duner Bikel: Hast du auch international gespielt, also für die isländische Nationalmannschaft oder im Europapokal?

Alli: Ja ich habe um die 30 Länderspiele gemacht. Aber nach der Verletzung war es schwer mit Arasson und Sveinsson (Anmerkung: um einen Platz in der Mannschaft) zu kämpfen.

Breidablik hat 1985 gegen Kopenhagen gespielt und in Dänemark haben wir 27 – 11 verloren, aber daheim gewonnen. Nach dem Spiel im Dänemark habe ich zu meinem Bruder gesagt, ich spiele kein Handball-Spiel mehr in meinem Leben.

Mein Bruder hat im Bremen und Basel Handball gespielt.

Duner Bikel: Gefühlt hat jede europäische Spitzen-Mannschaft die etwas auf sich hält mindestens entweder einen isländischen Spieler und/oder Trainer in ihren Reihen. Was macht einen isländischen Handballer besonders attraktiv?

Alli: Wir sind „Wikinger“ und können nicht anders als Kämpfen. Die Íslánder sind 360.000 Leute und trotzdem haben wir (herausragende) internationale Leistungen gebracht im manchen Sportarten.

Duner Bikel: Wer war deiner Meinung nach der beste isländische Handballer aller Zeiten?

Alli: Gíslasson, Sveinsson und Sigurðsson sind die drei Besten und ich denke, Sigurðsson ist der Beste.

Duner Bikel: Abseits des Sports… Was hast du von deiner Zeit bei der SG noch in Erinnerung?

Alli: Freundschaft, Freundschaft und nochmal Freundschaft.

Duner Bikel: Was machst du heute, sportlich und privat? Bist du dem Handballsport noch verbunden?

Alli: Ich bin Sportlehrer in einer Schule im Kópavogur, wo ich auch wohne. Ich laufe jeden Tag mit dem Hund und er ist die einzige Person, die mich mag. Im Handball bin ich durch meinen jüngsten Sohn Einar Bragi tätig als Vater, Trainer, Schreier wenn er ein Spiel hat und als bester Freund.

Duner Bikel: Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern oder anderen Akteuren aus deiner Zeit bei der SG? Man sieht dich ja auch noch alle paar Jahre wieder hier in der Ludwig-Jahnhalle….

Alli: Ich habe immer noch kontakt mit Wolfgang Ehrler und Pit Bührer.

Duner Bikel: Wir es den Handball auch nach „Corona“ noch geben?

Alli: Ja natürlich! Wir Menschen müssen Geduld haben und gut zu einander sein.

Duner Bikel: Deine Abschluss-Worte an die SG?

Alli: Ja, ich wünsche viel Erfolg und toi, toi, toi für das Handballjahr 2020- 21.

Sagt einen schönen Gruß zum „Pinocchio“ (Anmerkung: Spitzname für Michael Schilling), euren neuen Trainer. Ich hoffe, dass die SG viel Spaß hat in den kommenden Jahren.

Duner Bikel: Alli, Danke für das Interview!

 

Dieses Foto zeigt Alli mit seinem Sohn, dem Profifußballer Bjarki.

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